Flugzeuge 1/48 > eBaubericht Bachem Ba 349 ,,Natter' (Dragon 1:48) - Alex Segmüller

admin
Datum: 13.12.2010 15:39:13
Ab Mitte 1944 ging die Luftherrschaft an allen Fronten an die Alliierten über. Für die Abwehr der gewaltigen US-Bomberströme benötigte die deutsche Luftwaffe einen kleinen, billigen und aus grösstenteils kriegsunwichtigen Werkstoffen herzustellenden Abfangjäger. Mit fortschreitendem Stadium der von Erich Bachem entworfenen Holzkonstruktion interessierte sich zunehmend das SS-Führungshauptamt für diesen Objektschutzjäger (Aktionsradius ca. 20 km). Das Konzept sah einen Lafettenstart vor, um mittels Feststoffraketen innert 60 Sekunden auf 10'000 m zu steigen. Mit einer Geschwindigkeit von rund 800 km/h sollten einfliegende Bomber durch 24 ungelenkte Raketen zum Absturz gebracht werden. Nach Beendigung dieser Aufgabe wurde das fahrwerkslose Verlustgerät in der Mitte getrennt: Lediglich der Raketenmotor einerseits sowie der Pilot andererseits erreichten mittels Fallschirm den Erdboden. Nach einigen erfolgreichen Probestarts verunglückte Testpilot Sieber beim einzigen bemannten und unter Zeitdruck stehenden Flugversuch am 1.3.45 infolge Versagen der automatischen Kurssteuerung tödlich. Der Kriegsverlauf liess weitere grössere Erprobungen nicht mehr zu. Der Bausatz präsentiert sich beim ersten Augenschein in gewohnt hervorragender Prägequalität. Doch, wie bei Dragon leider fast schon üblich, wird der Bastelspass durch Passungenauigkeiten und generelle Konstruktionsmängel etwas getrübt. Vor dem Zusammenbau des Rumpfes sollten bei geöffneter Kabinenhaube zusätzlich die Spanten dargestellt werden. Baustufe 2 stellt uns vor die Wahl, eine normale oder (sehr schlecht passende) verglaste Bugabdeckung zu verwenden. Der Rumpfzusammenbau verursacht einige Spachtel- und Schleifarbeit; bei einem so einfachen und nicht gerade billigen Modell sollte dies heutzutage eigentlich nicht mehr vorkommen. Erfreulicherweise passen die vier kleinen Startraketen sehr gut. Ein Blick auf Baustufe 4 lässt den Modellbauer böses ahnen: Der Startmast ist in der Mitte geteilt, was angesichts der Grösse ja noch verständlich ist. Wahrscheinlich ist dieser Mast aus Kostengründen aber zusätzlich noch der Länge nach halbiert. Das Dumme daran ist, dass die vielen feinen Steigeisen an der einen Hälfte bereits angegossen sind; Schleifarbeiten sind somit praktisch unmöglich vorzunehmen. Ich habe mich für eine Radikalkur entschieden: Sämtliche Haken wurden entfernt und nach dem Verschleifen des Trägermastes durch ähnliche aus einem Eisenwarengeschäft ersetzt. Leider ist der zusätzliche Aufwand am erwähnten Startmast immer noch nicht zu Ende, weil die Halterungen nicht so richtig mit den Führungsschienen zusammenpassen. Es empfiehlt sich daher, nach ausgiebigem Trockenproben, eine provisorische Montage aller Teile mittels Klebeband vorzunehmen, um einer schiefen Bauweise vorzubeugen. Sehr wichtig ist auch das ständige Probepassen des Flugzeuges an die Leitschienen. Das Modell muss konstruktionsbedingt auf einem Kleindiorama stehen. Als letztes wird der Faden, welcher die Stahlseile recht gut imitiert, montiert. Leider war dieser für alle anfallenden Arbeiten insgesamt zu kurz (!), sodass ich mit einem fusselfreien Gummifaden separat ergänzen musste. Das Modell selber steht aufgrund seiner eigenwilligen Konstruktion einzigartig in meiner Flugzeugsammlung. Schade, dass herstellerseitige Schönheitsfehler den Bastelspass etwas trüben. Trotzdem Kompliment an die Firma Dragon mit diesem hochinteressanten ExotenmodellQuellen: - Podzun-Pallas Nr. 118 - Raketenflugzeuge 1935-1945 (ISBN 3-89350-692-6)



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