Flugzeuge 1/48 > eBaubericht von Revell's Messerschmitt Bf 109 G-10 (1:48) - Alex Segmüller

admin
Datum: 13.12.2010 12:32:12
Die Geschichte dieses legendären Jagdflugzeuges setze ich in unseren Kreisen als bekannt voraus. Ich verzichte deshalb bewusst auf eine entsprechende Abhandlung. Obgenanntes Modell wird - je nach gegenwärtigem Besitz der Form - auch von Monogram angeboten. Anfangs der neunziger Jahre war der Bausatz auch als Pseudo-K-4 (mit klobigen zusätzlichen Fahrwerksklappen und langem Spornrad) und als völlig überteuertes Premium-Modell mit sinnlosen Metallteilen (Propeller, Fahrwerk) erhältlich. Der Anblick in die Schachtel dieses rund 20-jährigen Kits ist nach wie vor erfreulich: Saubere Prägung, versenkte Gravuren, hervorragende Abziehbilder und ein äusserst attraktiver Preis. Einem Quervergleich mit Konkurrenzprodukten (Hobbycraft, Fujimi) hält unser Modell trotz des Alters durchaus stand. Ein Nachteil ist lediglich (wie auch bei Hobbycraft) der recht rudimentär gehaltene Flügel, während derjenige von Fujimi beispielsweise separate Klappen und Vorflügel enthält, was ein Modell natürlich ungemein aufwertet. Dafür ist die Rumpf-struktur des Revell-Modelles noch heute unübertroffen; insbesondere die durchgestrakten Beulen sowie die Ausbuchtungen für die Delkühlerpumpen sind in einem einzigen Guss hervorragend dargestellt.
Der Aufbau Gröbster Wermutstropfen ist der völlig falsche Sitz. Man kann sich entweder aus der Grabbelkiste behelfen oder auf Zurüstteile zurückgreifen. Die Inneneinrichtung ist reichlich grob graviert resp. nur andeutungsweise geprägt. Es lohnt sich hier unter allen Umständen (zumindest bei geöffneter Kabinenhaube>, auf den von Eduard recht günstig angebotenen Aetzteilbogen Nr. 48-116 zurückzugreifen. Für eine detaillierte Inneneinrichtung, deren Bewerkstelligung mehrere Abende benötigt, verweise ich auf die Fachliteratur.An der linken Rumpfhälfte sind die vier Nieten der hinteren Wartungsklappe planzuschleifen, da auf diesen erhabenen Stellen - je nach Vorlage - oft die Balkenkreuze anzubringen sind. Ebenfalls ist das nur grob angedeutete Seitenrudergestänge abzuschleifen und durch das filigrane Aetzteil zu ersetzen. Wer möchte, kann den kurzen Sporn abtrennen und durch das lange Heckrad ersetzen.Im vorderen Bereich wird das geätzte Kühlergitter vorsichtig eingesetzt. Mangels Führung muss das Teil stumpf angeklebt werden. Danach verleimen wir die Rumpfsektion. Die seitliche Lufthutze montierte ich erst nach dem Spritzen, da sie sowohl für die Schleif- als auch Spritzarbeiten hinderlich ist.Nun können die Flügel verarbeitet werden. Perfektionisten bauen noch die Kühlergitter ein, was sich aber infolge mangelnder Sichtbarkeit kaum lohnt. Es empfiehlt sich, die beiden Flügel-Oberteile ein wenig durchzubiegen, um sie der vorgegebenen Flügelwurzelform der beiden Rumpfhälften anzupassen. Mit dieser Methode ersparen wir uns etwas zusätzliche Schleifarbeit, welche sich ansonsten in sehr engen Grenzen hält. Wer möchte, kann ohne allzugrossen Aufwand die Lande-klappen aufschneiden; bei den Vorflügeln wird es aber reichlich aufwendig.Das Anbringen des Zusatztanks ist ein kleines Geduldspiel, weil die eingegossenen Halteklauen nicht so richtig in die am Behälter vorgegebenen Führungen passen. Einfacher ist das Aufbohren: Als Halterung benutzte ich fein ausgezogene Gussäste. Wer nach dieser Methode arbeitet, sollte aber aus Stabilitätsgründen den Tank erst am Schluss zusammen mit den Kleinteilen montieren. Das Druck-röhrchen ist einfach herzustellen; die Fummelei mit dem geätzten Spannband gab mir mehr Kopfzerbrechen: Als einfachste Lösung hat sich die Herstellung aus festem Papier (1) herausgestellt. Das Modell ist nun spritzfertig. Die Bemalung Als Unterseitenfarbe benutze ich für die Jäger ab 1944 fast ausschliesslich Humbrol 122 blass-blaugrau. Für die Oberseiten gibt es bekanntlich die unterschiedlichsten Farbkombinationen. Den Grüntönen kommt man mit Humbrol 30, 80, 86 und 91 recht nahe; für grau verwende ich 27 und 140. Das oft zitierte braunviolett mische ich aus braun 98 mit einem Schuss violett.Voraussetzung für ein wirklich sauberes Tarnschema (unregelmässige, oft hauch-feine Wolken-, Fleck- und Mäandermuster) sind: - eine blitzblanke Spritzpistole - frische Farben - viel Zeit und Geduld Betreffend Zeit: Um ein deutsches Jagdflugzeug zu spritzen, benötige ich an die drei Stunden. Natürlich kann man in kurzer Zeit ein paar lieblose Flecken anbringen, aber unser Modell soll schliesslich einem Originalvergleich standhalten. Gründliches Zwischenreinigen der Pistole nach dem Wechseln der Farbe ist absolute Pflicht. Nur so eliminieren wir den gefürchteten Sprenkeleffekt, welcher sich bei kritischer Betrachtung sehr negativ auf das Ergebnis auswirken würde.Noch ein Wort zum Thema Original farben, welches mir bei engagierten Diskussionen immer wieder ein gewisses Schmunzeln abverlangt. Die vielzitierten Originalfarben gibt es für uns Modellbauer einfach nicht; höchstens Annäherungswerte. Auf alte Farbfotos möchte ich mich nicht verlassen, da selbst modernste Filme farblich nuancieren. Ein 50-jähriges Originalteil hilft uns auch nicht viel weiter. Zudem wirkt jede Farbe auf dem zwar gleichen Modell, aber in unterschiedlichen Massstäben gebaut, völlig anders. Entscheidend ist letztendlich der Gesamteindruck eines Exponates.Nun können die Abziehbilder angebracht werden. Ein Ausschneiden der Balkenkreuze, vor allem die vereinfachten Formen, ist ein absolutes Muss, denn ein Trägerfilm, welcher nicht vorhanden ist, kann auch nicht mehr stören. Damit die Kreuze im richtigen Winkel stehen, empfiehlt es sich, das Modell gelegentlich zu drehen. Extremisten werden auch noch die Spantennummern und die ,,-zu'-Markierungen anbringen. Nur Leuten mit einer ruhigen Hand und viel Geduld zu empfehlen. Endmontage Zum zarten Verschmutzen benutze ich ein extrem verdünntes Washing mit Revellfarben (Humbrol-Emails zersetzen sich); mittels Drybrushing wird nachgearbeitet. Wo Farbabplatzer entstehen können, verwende ich eine kurzfristig abwaschbare Silberpaste. Zwischendurch empfiehlt sich eine farblose Schutzlackierung, um während der Detailarbeiten einem vorzeitigen Abgreifen der Farben vorzubeugen.Nun werden die Kleinteile angebracht. Für die FuG-Antennen verwende ich feinen Draht. Bei geöffneter Kabinenhaube ist darauf zu achten, dass die Aussen- mit den Innenverstrebungen deckungsgleich bemalt werden. Als abschliessende Arbeit stelle ich den Antennendraht aus ausgezogenen Gussästen dar, welcher mittels Sekundenkleber befestigt wird, weil Plastikleim den hauchdünnen Faden schmelzen lässt.Fazit: Selbst aus einem Uralt-Bausatz lässt sich auch heute noch ein Supermodell bauen. Kompliment an die Firma Revell Schade, dass es diesen Jäger in vorliegender Form nicht in 1:32 gibt. Fachliteratur: - Aero Details Nr. 5 - Squadron Signal Nr. 57 - Monogram Close up 7 + 16



Agenda